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Chronik der DLRG

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war das Ertrinken "in Mode". Pro Jahr verloren etwa fünftausend Menschen im Wasser ihr Leben, und nur zwei bis drei Prozent der damaligen Bevölkerung konnten schwimmen. Dennoch: Es bedurfte erst eines spektakulären Ereignisses, um den bereits bestehenden Gedanken zur Gründung einer Lebensrettungsgesellschaft in die Tat umzusetzen.

Am 28. Juli 1912, es war ein sonniger Sonntag, brach gegen 19 Uhr die Anlegestelle am Brückenkopf der Seebrücke in Binz auf Rügen. Über 100 Menschen stürzten ins Wasser und 17 Personen, darunter sieben Kinder, ertranken.

Ein knappes Jahr später, veröffentlicht der „Deutsche Schwimmer“, amtliches Organ des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), einen Aufruf zur Gründung einer Lebensrettungs-Gesellschaft. Vorbild ist „The Royal Life Saving Society“ (kurz RLSS), ansässig in London. Nun soll auch in Deutschland eine derartige Gesellschaft entstehen und das „Retten lernen!“ deren Ziel sein. Die Engländer sind über das gesamte 19. Jahrhundert hinweg Vorbilder im Sport. Zu den 13 Unterzeichnern des Gründungsaufrufs gehört auch der bekannte Heidelberger Sportschriftsteller Walter Mang, welcher sich seit Jahren für die Etablierung einer solchen Gesellschaft einsetzt. Gemeinsam mit dem Greifswalder Studenten Walter Bunner hat er bereits im Vorfeld eine eigenständige Rettungsabteilung beim DSV aufgebaut. Bunner und Mang können als die Initiatoren für die Gründung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft angesehen werden.

Der Aufruf bleibt nicht ungehört. Am 19. Oktober 1913 wird im Leipziger „Hotel de Prusse“ die DLRG ins Leben gerufen. Am Ende des Gründungsjahres zählt die junge Organisation 435 Mitglieder, darunter namhafte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und zahlreiche Schwimmvereine aus dem gesamten Reich.

 

Gründung und Anfangsjahre der DLRG Ortsgruppen Eschwege und Wanfried

Das Jahr 1953 markiert den Beginn der Geschichte der DLRG in der Region und steht für den Einsatz und Sicherheit am und im Wasser. In einer Zeit, in der vielerorts noch grundlegende Strukturen aufgebaut wurden, fanden sich auch hier Menschen zusammen, um aktiv Verantwortung zu übernehmen.

In Eschwege wurde eine der ersten Ortsgruppen gegründet. Unter der Leitung von Herrn Grüning begann dort der Aufbau einer funktionierenden Rettungsorganisation. Mit großem persönlichen Einsatz widmete man sich der Ausbildung im Schwimmen und Retten sowie der Aufklärung über Gefahren im Wasser.

Zeitgleich entstand in Wanfried eine weitere Ortsgruppe unter der Leitung von Herrn Gille. Auch hier entwickelte sich rasch eine engagierte Gemeinschaft, die sich den Zielen der DLRG verschrieb und mit viel Idealismus die ersten Aktivitäten organisierte.

Drei Jahre nach ihrer Gründung erreichten die beiden Ortsgruppen der DLRG einen wichtigen Meilenstein in ihrer noch jungen Geschichte. Im Jahr 1956 bezogen die Ortsgruppen aus Eschwege und Wanfried einen gemeinsamen Stützpunkt beim Bundesgrenzschutz in Eschwege. Unter der Leitung von Herrn Neuborn bot dieser neue Standort erstmals die Möglichkeit, Kräfte und Ressourcen zu bündeln. Die räumliche Nähe förderte die Zusammenarbeit der beiden Ortsgruppen erheblich und erleichterte die Organisation von Ausbildung, Übungen und Einsätzen.

 

Entwicklung und Zusammenführung zweier Ortsgruppen

Die Ortsgruppen Eschwege und Wanfried werden 1972 zur DLRG Ortsgruppe Eschwege-Wanfried e.V. zusammengeführt.

Einbindung in den Katastrophenschutz

1982 – Erste Einbindung
Die DLRG wird erstmals vertraglich in den Katastrophenschutz des Werra-Meißner-Kreis eingebunden.
Eine geregelte Wasserrettung existiert zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

1991 – Sicherstellungsvereinbarung
Vertrag mit dem Werra-Meißner-Kreis:

  • DLRG übernimmt die Wasserrettung
  • DRK und ASB den bodengebundenen Rettungsdienst
  • Grundlage: Hessisches Rettungsdienstgesetz
  • Einführung von Funkmeldeempfängern und 24/7-Einsatzbereitschaft

Ausbau der Einsatzfähigkeit

1994 – Infrastruktur & Technik

  • Bau von Garagen in der Mangelgasse
  • Ausbau eines Einsatzfahrzeugs (VW T4)
  • Anschaffung moderner Funktechnik

1996 – Modernisierung & Spezialisierung

  • Neues Motorrettungsboot „Selma“ ersetzt das alte Boot „Moritz“
  • Ausbau der Tauchergruppe unter Olaf Dube
  • Aufbau eines qualifizierten Bootsführer-Teams unter Joachim Friedrich
  • Stärkung der Einsatzstruktur am Werratalsee

Professionalisierung & Wachstum

1997 – Finanzielle Herausforderungen
Modernisierung von Fahrzeugen und Ausrüstung stellt die Ortsgruppe vor große finanzielle Aufgaben.

1999 – Ausbildung & Durchbruch

  • Intensive Ausbildung in allen Einsatzbereichen
  • Neue Führung im Tauchbereich durch Frank Baasner
  • Ausbau der Sanitätsausbildung unter Axel Meyer
  • Sicherstellung des Wasserrettungsdienstes am Werratalsee

 

Im neuen Jahrtausend

2000 – Modernstes Einsatzfahrzeug
Durch großen Einsatz der Verantwortlichen im Boots- und Tauchbereich konnte eines der modernsten Wasserrettungsfahrzeuge Hessens in Dienst gestellt werden: ein Mercedes Sprinter GW-W.
Die Finanzierung wurde gemeinschaftlich getragen durch den Werra-Meißner-Kreis, die Städte Eschwege und Wanfried, die Gemeinde Meinhard sowie die Ortsgruppe selbst.

2003 – DLRG-Station am Werratalsee
Im Frühjahr 2003 wurde die DLRG-Station am Werratalsee in Betrieb genommen.
Sie dient seitdem als zentraler Standort für Ausbildung, Wasserrettungsdienst und Vereinsleben und stellt einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung der DLRG vor Ort dar.

 

 

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